{"id":7906,"date":"2026-10-27T17:47:15","date_gmt":"2026-10-27T16:47:15","guid":{"rendered":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/?p=7906"},"modified":"2026-10-27T18:29:01","modified_gmt":"2026-10-27T17:29:01","slug":"warum-hat-mir-das-niemand-gesagt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/2026\/10\/27\/warum-hat-mir-das-niemand-gesagt\/","title":{"rendered":"Warum hat mir das niemand gesagt?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><em><strong>3.375 W\u00f6rter, ca. 14 Minuten Lesezeit.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u00dcber die Menschlichkeit von F\u00fchrenden und das, was ich in 25 Jahren Arbeit mit Menschen lernen musste.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eManche Menschen kommen w\u00fctend und gehen w\u00fctend.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das sagte einer meiner Lehrer vor vielen Jahren in einer Supervision zu mir. Ziemlich trocken. Manche w\u00fcrden anschlie\u00dfend schlecht \u00fcber mich reden. Das k\u00f6nne ich nicht verhindern. Und es habe in den wenigsten F\u00e4llen etwas mit mir zu tun.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Ich wei\u00df noch genau, wie ich dasa\u00df.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entlastet und irritiert zugleich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entlastet, weil da pl\u00f6tzlich jemand, den ich sehr sch\u00e4tzte, ganz selbstverst\u00e4ndlich \u00fcber etwas sprach, das ich lange f\u00fcr mein pers\u00f6nliches Versagen gehalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irritiert, weil er es so beil\u00e4ufig sagte. Als w\u00e4re es Allgemeinwissen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ihr wisst das? Allen geht es so? Warum redet dann niemand dar\u00fcber?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage hat mich nicht mehr losgelassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Die Antwort, die ich gefunden habe, ist unbequemer, als ich erwartet hatte. Sie beginnt bei denen, die diese Arbeit am meisten lieben.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn Menschen zu begleiten eine Herzensangelegenheit ist<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt Menschen, f\u00fcr die die Arbeit mit anderen weit mehr ist als ein Beruf.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen, die eine tiefe innere Berufung empfinden, Entwicklung zu erm\u00f6glichen. Die daran glauben, dass wir bewusster miteinander umgehen und zu einer Welt beitragen k\u00f6nnen, in der Menschen und alles andere Lebendige einen guten Platz haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich geh\u00f6re zu diesen Menschen. Und ich kenne und begleite viele, die so arbeiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Viele von ihnen sind hoch empathisch. Sie nehmen feinste Ver\u00e4nderungen wahr, erkennen Potenziale und sehen M\u00f6glichkeiten, wo andere l\u00e4ngst aufgegeben haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese F\u00e4higkeiten sind kostbar. Aber sie k\u00f6nnen auch zu einer besonderen Verletzlichkeit werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn wer tief davon \u00fcberzeugt ist, dass Entwicklung m\u00f6glich ist, h\u00e4lt manchmal l\u00e4nger an dieser M\u00f6glichkeit fest als der Mensch, um dessen Entwicklung es geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer Leid wahrnimmt, m\u00f6chte es lindern. Wer einen Menschen versteht, findet Gr\u00fcnde f\u00fcr sein Verhalten. Und wer die eigene Arbeit als Beitrag zu einer menschlicheren Welt begreift, ist besonders bereit, die Verantwortung zun\u00e4chst bei sich selbst zu suchen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gerade Menschen, denen ihre Arbeit zutiefst am Herzen liegt, laufen Gefahr, sich selbst darin zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist der unbequeme Teil der Antwort. Und eine der Erkenntnisse, die ich gern fr\u00fcher gehabt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Ich habe den Menschen zu viel zugetraut<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als ich mein Institut f\u00fcr Intuitionstraining gr\u00fcndete, wuchs die Arbeit fast ausschlie\u00dflich durch Mundpropaganda. Die Trainings und Ausbildungen waren voll. Ich liebte meine Arbeit und war begeistert von dem, was in diesen Entwicklungsr\u00e4umen m\u00f6glich wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war in einer ganz bestimmten Hinsicht ziemlich naiv.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich ging davon aus, dass Menschen, die sich freiwillig f\u00fcr pers\u00f6nliche Entwicklung entscheiden, auch bereit sind, sich zu entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich wusste ich, dass Ver\u00e4nderung Widerst\u00e4nde ausl\u00f6st. Ich kannte Projektionen, \u00dcbertragungen und Gruppendynamiken aus meiner Arbeit. Was es bedeutet, wenn solche Kr\u00e4fte \u00fcber Jahre in einem gemeinsamen Entwicklungsraum wirken, habe ich erst nach und nach in seiner ganzen Tragweite verstanden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Vor allem hatte ich eines untersch\u00e4tzt:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Manche Menschen organisieren ihren Widerstand so, dass am Ende alle anderen daran arbeiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sah das Potenzial eines Menschen oft sehr schnell. Und lange hielt ich es f\u00fcr meine Aufgabe, diesem Potenzial beim Wirklichwerden zu helfen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Darin steckten auch meine eigenen Retterinnenanteile.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich \u00fcbernahm zu viel Verantwortung. Ich f\u00fchrte Gespr\u00e4che, die l\u00e4ngst keine neuen Erkenntnisse mehr hervorbrachten. Ich setzte Grenzen zu sp\u00e4t. Und ich hielt Menschen in Prozessen, obwohl ich l\u00e4ngst wahrgenommen hatte, dass etwas nicht mehr stimmte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dabei habe ich gelernt, wie schnell die Bereitschaft, sich selbst zu hinterfragen, dazu f\u00fchren kann, dass man die eigene Wahrnehmung nicht mehr ernst nimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Als ein kleiner Teil der Gruppe den ganzen Raum einnahm<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erinnere mich an zwei Situationen in meinen Ausbildungen, in denen ich Gruppen sehr viel Raum gegeben habe, ihren Unmut zu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wollte verstehen, was geschehen war. Ich wollte Kritik ernst nehmen. Ich wollte, dass auf den Tisch kommen darf, was sonst eher unterm Teppich bleibt. Ich war bereit, daf\u00fcr sogar geplante Ausbildungsinhalte zur\u00fcckzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute sehe ich diese Situationen anders.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">R\u00fcckblickend waren es etwa zehn bis f\u00fcnfzehn Prozent der Teilnehmenden, die diese Auseinandersetzungen vorantrieben. Die anderen sa\u00dfen dabei. Manche mochten einzelne Kritikpunkte teilen. Andere hatten wom\u00f6glich ganz andere Wahrnehmungen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Trotzdem lie\u00df ich zu, dass diese wenigen Menschen immer mehr Raum einnahmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es wurde zunehmend \u00fcber andere gesprochen statt mit ihnen. Auch meine Mitarbeitenden wurden angegriffen. Und ich hielt den Raum offen, weil ich einerseits immer noch glaubte, es ging \u00fcber Inhalte, und weil andererseits meine \u201eFreeze\u201c Response schon begonnen hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Irgendwann fiel sinngem\u00e4\u00df der Satz, dass \u201ees hier, wie in allen anderen R\u00e4umen auch, letztlich nur um Macht gehe\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sa\u00df da und konnte nichts mehr erwidern.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich war erstarrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte den Raum ge\u00f6ffnet, um eine Auseinandersetzung zu erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und irgendwann war ich selbst nicht mehr in der Lage, ihn zu f\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das ist eine Erfahrung, f\u00fcr die ich heute die Verantwortung \u00fcbernehme.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich h\u00e4tte die Kritik h\u00f6ren und pr\u00fcfen m\u00fcssen. Ich h\u00e4tte daf\u00fcr sorgen m\u00fcssen, dass meine Mitarbeitenden gesch\u00fctzt bleiben. Ich h\u00e4tte fr\u00fcher erkennen m\u00fcssen, wann eine notwendige Auseinandersetzung in eine Dynamik \u00fcbergeht, die sich selbst immer weiter n\u00e4hrt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Lautst\u00e4rke eines Konflikts sagt nichts dar\u00fcber aus, wie repr\u00e4sentativ er f\u00fcr eine Gruppe ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Menschen, die schweigend dabeisa\u00dfen, waren ebenso Teil dieser Gruppe. Auch sie hatten ein Recht auf meine Aufmerksamkeit, auf ihre Entwicklungszeit und auf einen professionell gef\u00fchrten Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich hatte geglaubt, dem Gruppenprozess zu dienen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was ich damals f\u00fcr Offenheit hielt, war irgendwann F\u00fchrungslosigkeit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Wenn Kritik zum Urteil wird<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich wei\u00df nicht, was in den Einzelnen damals vorging. Aber ich habe an dieser Situation etwas \u00fcber eine Dynamik gelernt, die mir sp\u00e4ter immer wieder begegnet ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">An dem Satz \u00fcber Macht ist zun\u00e4chst nichts Verwerfliches.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nat\u00fcrlich geht es in Entwicklungsr\u00e4umen auch um Macht. Jede professionelle Beziehung enth\u00e4lt ein Machtgef\u00e4lle. Wer Gruppen leitet, entscheidet \u00fcber Rahmenbedingungen, Inhalte und Grenzen. Das muss reflektiert und hinterfragt werden k\u00f6nnen. Auch scharfe Kritik kann berechtigt sein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen einer Kritik, die etwas kl\u00e4ren will, und einem Urteil, das bereits alles erkl\u00e4rt zu haben glaubt.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn jede Handlung der Leitung als Machtaus\u00fcbung interpretiert wird, kann auch der Versuch, einen Konflikt zu kl\u00e4ren, als weiterer Beweis f\u00fcr die urspr\u00fcngliche Anklage gelten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer widerspricht, verteidigt angeblich seine Macht. Wer eine Grenze setzt, unterdr\u00fcckt angeblich Kritik. Wer sich erkl\u00e4rt, rechtfertigt sich. Und wer schweigt? Dessen Schweigen kann ebenfalls gegen ihn ausgelegt werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">In meinem Field Guide nenne ich diese Dynamik den moralischen Scharfsch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Entscheidend ist etwas anderes: Bleibt eine gemeinsame Untersuchung dessen, was geschehen ist, \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich? K\u00f6nnen unterschiedliche Wahrnehmungen nebeneinanderstehen, ohne dass daraus unmittelbar ein Urteil \u00fcber die moralische Integrit\u00e4t des anderen wird?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn das nicht mehr m\u00f6glich ist, wird aus einem Gespr\u00e4ch ein Tribunal.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Und wer sich auf der Anklagebank wiederfindet, kann kaum noch auf Augenh\u00f6he in Beziehung bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Illusion von der fertigen F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Es gibt eine gesellschaftliche Vorstellung von F\u00fchrung, die ich f\u00fcr zutiefst problematisch halte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer f\u00fchrt, soll sich selbst zu 100% kennen. Soll mit Konflikten umgehen k\u00f6nnen, auch unter gr\u00f6\u00dftem Druck souver\u00e4n bleiben und jederzeit die richtige Entscheidung treffen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als w\u00e4re F\u00fchrung ein Zustand, den man irgendwann erreicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe in meinem Leben viele Menschen kennengelernt, die f\u00fchren. Erfahrene Therapeutinnen, Coaches, Unternehmer und Menschen, die seit Jahrzehnten Gruppen begleiten. Ich kenne niemanden, der keine Fehler gemacht hat. Niemanden, der in seiner Entwicklung fertig ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dazu geh\u00f6rt etwas, das selten ausgesprochen wird.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Auch F\u00fchrende tragen eigene Verletzungen in sich, manche davon reichen weit zur\u00fcck. Im besten Fall haben sie lange und gr\u00fcndlich daran gearbeitet, oft sehr viel l\u00e4nger als die Menschen, die sie begleiten.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verschwunden sind sie deshalb nicht.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unter Druck k\u00f6nnen alte Reaktionen wieder anspringen, und jeder Mensch hat seine eigenen Antworten darauf, auch der, der vorne steht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer von F\u00fchrenden erwartet, immer dar\u00fcber hinaus zu sein, macht genau das unaussprechlich. Zu sagen \u201eIch konnte in diesem Moment nicht f\u00fchren, weil ich selbst in einer Traumareaktion war\u201c klingt dann wie das Eingest\u00e4ndnis, \u00fcberhaupt nicht f\u00fchren zu k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Also wird geschwiegen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">F\u00fchrende sind Menschen in Entwicklung, die Verantwortung f\u00fcr andere Menschen in Entwicklung \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir haben jedoch ein merkw\u00fcrdiges Verh\u00e4ltnis zu Menschen, denen wir Autorit\u00e4t zuschreiben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir \u00fcberh\u00f6hen sie. Wir w\u00fcnschen uns ihre Sicherheit, ihre Orientierung und manchmal auch Antworten auf Fragen, die wir selbst noch nicht beantworten k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wenn sie unseren Erwartungen (die oftmals ihrerseits nicht rational sind) nicht entsprechen, schl\u00e4gt diese \u00dcberh\u00f6hung mitunter in Entwertung um.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dann wird aus einem Menschen, den wir bewundert haben, pl\u00f6tzlich jemand, der unsere Bewunderung angeblich nie verdient hatte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Bewegung zwischen Idealisierung und Entwertung begegnet mir seit vielen Jahren in Entwicklungsr\u00e4umen, und keineswegs nur dort.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Solange wir F\u00fchrung mit \u00dcberlegenheit verwechseln, werden wir von F\u00fchrenden etwas erwarten, das kein Mensch erf\u00fcllen kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wir ordnen uns Autorit\u00e4t unter und bestrafen sie anschlie\u00dfend daf\u00fcr, dass sie menschlich ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer f\u00fchrt, muss sich mit der eigenen Macht auseinandersetzen, Kritik annehmen und f\u00fcr die Folgen eigener Entscheidungen einstehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Verantwortung ist etwas anderes als Unfehlbarkeit.<\/strong> <strong><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Warum so viele irgendwann aufh\u00f6ren<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe im Laufe der Jahre erlebt, wie Menschen ihre Arbeit als Coach oder Begleiterin aufgegeben haben. Manche haben sich aus der Einzelarbeit zur\u00fcckgezogen. Andere wollten irgendwann keine Gruppen mehr leiten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht weil ihnen die Menschen gleichg\u00fcltig geworden w\u00e4ren, sondern weil sie ersch\u00f6pft waren von Dynamiken, f\u00fcr die sie kaum Orientierung hatten. Von der st\u00e4ndigen Frage, ob sie selbst etwas falsch gemacht hatten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Vor einiger Zeit fragte mich eine Psychotherapeutin, die bei mir die Ausbildung durchlaufen und die selbst seit vielen Jahren Gruppen begleitet, sinngem\u00e4\u00df: \u201eIch verstehe nicht, wie du das gemacht hast. Ich habe Gruppen \u00fcber acht oder zw\u00f6lf Wochen begleitet. Aber du hast Menschen \u00fcber Jahre in viel intensiveren Prozessen begleitet.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie hast du das ausgehalten, was da passiert ist? Viele meiner Kollegen, die Gruppen lange gemacht haben, sind unendlich ersch\u00f6pft, bauen sich lange Pausen ein oder haben ganz aufgeh\u00f6rt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Frage hat mich lange besch\u00e4ftigt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Langfristige Entwicklungsr\u00e4ume k\u00f6nnen unglaublich viel erm\u00f6glichen. Sie k\u00f6nnen aber auch eine Intensit\u00e4t entwickeln, die von au\u00dfen kaum vorstellbar ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Wir reden viel dar\u00fcber, was Menschen brauchen, die sich uns anvertrauen. Erstaunlich wenig dar\u00fcber, was mit denen geschieht, denen sie sich anvertrauen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe mich dann irgendwann gefragt, wie viele Menschen wir eigentlich schon verloren haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Menschen, die andere begleiten wollten. Die etwas zu geben hatten. Die mit ihrer Arbeit zu einer menschlicheren Welt beitragen wollten. Und die irgendwann beschlossen haben, dass sie diesen Preis nicht l\u00e4nger bezahlen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dar\u00fcber m\u00fcssen wir offener sprechen. \u00dcber die Anforderungen an Menschen, die solche R\u00e4ume halten. \u00dcber ihre Verletzlichkeit und dar\u00fcber, wie sie selbst gesund und handlungsf\u00e4hig bleiben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn Menschen ihre Berufung aufgeben, weil wir sie mit den Schattenseiten ihrer Arbeit alleinlassen, verlieren wir etwas, das unsere Gesellschaft dringend braucht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Eine menschlichere Welt braucht Menschen, die bereit sind zu f\u00fchren. Und sie braucht einen menschlicheren Umgang mit diesen Menschen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Das Problem mit dem Verstehen<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich habe lange geglaubt, dass Verstehen fast immer der Schl\u00fcssel ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist eine wesentliche F\u00e4higkeit meiner Arbeit. Aber sie hat eine Schattenseite.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Einen Menschen zu verstehen, bedeutet nicht, sein Verhalten unbegrenzt zulassen zu m\u00fcssen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann verstehen, warum jemand Grenzen \u00fcberschreitet, und trotzdem darauf bestehen, dass er sie respektiert.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann erkennen, welche Verletzung hinter einem Angriff liegt, und trotzdem den Angriff beenden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann Mitgef\u00fchl haben und eine professionelle Beziehung nicht weiterf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidung musste ich lernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn so wie ich Umgang mit Konflikten in meiner Biographie gelernt hatte, aber auch wie ich F\u00fchrung von meinen Lehrer:innen gelernt hatte, setzte ich meine F\u00e4higkeit zum Verstehen gegen meine eigene Wahrnehmung und vor allem gegen meine eigene seelische Unversehrtheit ein.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich bemerkte, dass eine Grenze \u00fcberschritten wurde. Und suchte zun\u00e4chst nach Gr\u00fcnden, warum die andere Person sie \u00fcberschreiten musste. Ich bemerkte, dass Gespr\u00e4che sich wiederholten. Und fragte mich, welche neue Intervention ich anbieten k\u00f6nnte. Ich bemerkte, dass ich immer ersch\u00f6pfter wurde. Ich untersuchte, selbst bei offen oder passiv aggressiven Angriffen vor allem, welche meiner eigenen Themen daf\u00fcr verantwortlich sein k\u00f6nnten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Meine Selbstreflexion war gr\u00fcndlich. Aber sie hatte eine gef\u00e4hrliche Schieflage bekommen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ich heute anders mache<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute konfrontiere ich Menschen wesentlich fr\u00fcher mit dem, was ich wahrnehme. Ich setze Grenzen, sobald ich erkenne, dass sie notwendig sind. Und ich \u00fcberlasse den Menschen die Verantwortung f\u00fcr ihr eigenes Verhalten.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Fr\u00fcher habe ich oft die Verletzung hinter einem Verhalten gesehen und daraus abgeleitet, dass dieser Mensch gerade nicht anders handeln kann. Ich habe seine Geschichte verstanden, seine inneren Strukturen erkannt und ihm deshalb Verantwortung abgenommen, die ihm geh\u00f6rte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das tue ich heute nicht mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich kann die Verletzung eines Menschen erkennen und ihn trotzdem mit seinem Verhalten konfrontieren. Ich kann verstehen, warum jemand eine bestimmte Strategie entwickelt hat, und zugleich erwarten, dass er Verantwortung f\u00fcr ihre Auswirkungen \u00fcbernimmt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00fcrde heute jemand in einer meiner Gruppen behaupten, es gehe in diesem Raum ohnehin nur um Macht, w\u00fcrde ich diese Aussage zum Gegenstand unserer gemeinsamen Untersuchung machen. Ich w\u00fcrde fragen, welches Verst\u00e4ndnis von Macht dahintersteht. Und ich w\u00fcrde den Menschen auch mit seiner eigenen Machtthematik konfrontieren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Denn wer anderen Macht vorwirft, steht damit nicht au\u00dferhalb von Machtbeziehungen.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich nehme Menschen heute ernster, indem ich ihnen ihre Verantwortung zumute.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Selbstreflexion ist nicht Selbstbeschuldigung<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wer professionell begleitet, sollte bereit sein, die eigenen Projektionen zu erkennen, die eigene Macht zu reflektieren und Verantwortung f\u00fcr Fehler zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Bereitschaft ist unverzichtbar.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber Selbstreflexion kann zu einer Methode werden, mit der wir unsere eigene Wahrnehmung au\u00dfer Kraft setzen. Dann fragen wir so lange nach unserem Anteil, bis wir den Anteil des anderen gleich mit \u00fcbernommen haben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nicht jede unangenehme Wahrnehmung ist eine Projektion. Nicht jede Ersch\u00f6pfung verweist auf ein unbearbeitetes eigenes Thema. Nicht jeder Konflikt l\u00e4sst sich durch noch mehr Verst\u00e4ndnis l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich sage es gern so: Dein K\u00f6rper ist kein Gericht, aber ein Zeuge.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Eine unangenehme Reaktion ist noch kein Beweis daf\u00fcr, dass der andere etwas falsch macht. Aber sie ist Information. Sie verdient es, ernst genommen und sorgf\u00e4ltig untersucht zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute stelle ich mir in schwierigen Situationen vier Fragen:<\/p>\n\n\n\n<ol start=\"1\" class=\"wp-block-list\">\n<li>Was geh\u00f6rt zu mir?<\/li>\n\n\n\n<li>Was geh\u00f6rt zum anderen?<\/li>\n\n\n\n<li>Was entsteht zwischen uns?<\/li>\n\n\n\n<li>Was macht das Feld mit uns?<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die vierte Frage wird in Gruppen erstaunlich h\u00e4ufig vergessen. W\u00e4hrend wir versuchen, einen einzelnen Menschen zu verstehen, sitzen da noch andere. Sie beobachten, was wir zulassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Unsere Verantwortung gilt dem gesamten Raum.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Warum ich dar\u00fcber so lange nichts gefunden habe<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach jener Supervision begann ich zu suchen. Ich wollte wissen, warum \u00fcber diese Erfahrungen so wenig gesprochen wurde.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich stellte fest, dass l\u00e4ngst dar\u00fcber geschrieben worden war. Aber nicht wirklich so, wie ich es am Angang meiner Laufbahn als F\u00fchrende gebraucht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeremy Safran und Christopher Muran haben ausf\u00fchrlich beschrieben, wie Br\u00fcche in therapeutischen Beziehungen entstehen und bearbeitet werden k\u00f6nnen. Carolin Gra\u00dfmann, Sandra Julia Diller und Eva Jonas untersuchten, welche Strategien Coaches im Umgang mit besonders herausfordernden Klienten nutzen. In den offenen Antworten berichtete ein Teil der Befragten auch von der Beendigung solcher Prozesse.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das fand ich bemerkenswert. Denn in vielen Ausbildungen lernen wir vor allem, wie wir Beziehungen gestalten, Vertrauen aufbauen und Menschen durch Schwierigkeiten begleiten. Wesentlich seltener sprechen wir dar\u00fcber, wann eine Beziehung professionell beendet werden sollte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Das Wissen existierte. Aber es war verstreut. Auf verschiedene Disziplinen verteilt, mit unterschiedlichen Begriffen beschrieben und h\u00e4ufig hinter einer Fachsprache verborgen, die in der konkreten Situation wenig hilfreich war.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was mir fehlte, war eine Landkarte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Etwas, das mir half, fr\u00fch zu erkennen, welche Dynamik sich gerade entwickelt. Und vor allem: was ich selbst dazu beitrage, dass sie bestehen bleibt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Daraus ist mein Field Guide entstanden. Ich habe darin zehn Dynamiken beschrieben, denen ich in meiner langj\u00e4hrigen Arbeit begegnet bin, ihnen Namen gegeben, ihre Fr\u00fchsignale herausgearbeitet und Fragen formuliert, die helfen k\u00f6nnen, wieder handlungsf\u00e4hig zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese zehn Dynamiken sind meine eigenen Verdichtungen aus der Praxis. Sie beschreiben wiederkehrende Beziehungsmuster und helfen dabei, deren Entstehung und Dynamik fr\u00fchzeitig zu erkennen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Field Guide beschreibe ich auch, was nach einem Bruch geschehen kann, besonders wenn vorher gro\u00dfe N\u00e4he oder Bewunderung da war. Manchmal gelingt eine Trennung erst, wenn die gemeinsame Geschichte umgeschrieben ist: Aus Jahren, die einmal wertvoll waren, wird im R\u00fcckblick nur noch Abh\u00e4ngigkeit, und die eigenen Entscheidungen von damals kommen darin nicht mehr vor. Ich nenne das die Exorzistin. Sie ist weniger ein eigener Typus als die Eskalation anderer Dynamiken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese Unterscheidungen verlangen eine sorgf\u00e4ltige Wahrnehmung. Denn eine Landkarte soll helfen, Dynamiken zu erkennen. Sie darf nicht dazu dienen, die eigene Sicht gegen jede andere Perspektive abzuschirmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Menschen, von denen ich hier spreche, sind eine kleine Minderheit<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Menschen, mit denen ich in 25 Jahren gearbeitet habe, kommt in meinem Field Guide \u00fcberhaupt nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sie haben gerungen, widersprochen, geweint, Fehler gemacht und Verantwortung \u00fcbernommen. Sie waren nicht immer einfach. Ich war es auch nicht. Und aus vielen dieser Begegnungen sind Entwicklungen entstanden, die mich bis heute ber\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Der Field Guide handelt von den anderen Situationen. Von den Dynamiken, in denen Entwicklung irgendwann nicht mehr das ist, worum sich ein Raum tats\u00e4chlich organisiert. Und von dem Moment, in dem die F\u00e4higkeit, einen Menschen tief zu verstehen, zur Gefahr f\u00fcr die eigene Urteilskraft werden kann.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Was ich beim Schreiben \u00fcber mich selbst bemerke<\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">W\u00e4hrend ich meinen Field Guide geschrieben habe, w\u00e4hrend ich an meinem neuen Buch arbeite und jetzt diesen Artikel verfasse, bemerke ich wie sorgf\u00e4ltig ich darauf achte, niemandem Unrecht zu tun. Wie genau ich meine eigenen Fehler benenne. Wie wichtig es mir ist, jede m\u00f6gliche Perspektive mitzudenken.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wie tief in mir noch immer der Impuls sitzt, \u00fcber das Verhalten anderer nur dann zu sprechen, wenn ich zugleich meine eigene Verantwortung betone.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich erkenne darin etwas von jener alten \u00dcberverantwortung, \u00fcber die ich hier schreibe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn selbstverst\u00e4ndlich trage ich Verantwortung f\u00fcr mein Handeln. Aber ich muss meine Bereitschaft zur Selbstreflexion nicht bei jeder Aussage erneut unter Beweis stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch meine Erfahrungen d\u00fcrfen f\u00fcr sich stehen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch meine Menschlichkeit braucht keine Rechtfertigung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heute wei\u00df ich, dass ich meine Verantwortung als Leiterin gerade dann ernst nehme, wenn ich bereit bin, eine Grenze zu setzen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Selbst wenn jemand entt\u00e4uscht ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Insbesondere wenn jemand w\u00fctend geht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch wenn jemand anschlie\u00dfend schlecht \u00fcber mich spricht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ich muss meinen Anteil erkennen und \u00fcbernehmen. Ich muss Kritik pr\u00fcfen, Fehler korrigieren und bereit bleiben, dazuzulernen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ich bin nicht daf\u00fcr verantwortlich, was ein anderer Mensch aus seiner Erfahrung mit mir macht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dass ich das Potenzial eines Menschen erkenne, verpflichtet mich nicht dazu, mein Leben daf\u00fcr einzusetzen, dass er es verwirklicht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das hat mir etwas zur\u00fcckgegeben, das ich in meiner Bereitschaft, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, beinahe verloren hatte:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Freiheit, meiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Denn F\u00fchrung ist kein Beweis daf\u00fcr, dass jemand seine Entwicklung abgeschlossen hat.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>F\u00fchrung ist die Bereitschaft, Verantwortung zu \u00fcbernehmen, w\u00e4hrend man selbst weiter Mensch wird.<\/strong><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full is-resized\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" width=\"740\" height=\"500\" src=\"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-7909\" style=\"width:800px;height:auto\" srcset=\"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2.jpg 740w, https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2-18x12.jpg 18w, https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/wp-content\/uploads\/2026\/10\/2-300x203.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 740px) 100vw, 740px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Was dir niemand sagt, wenn du mit Menschen arbeitest<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Field Guide richtet sich an Menschen, die andere begleiten, Gruppen leiten, coachen, trainieren oder auf andere Weise Verantwortung f\u00fcr Entwicklungsprozesse \u00fcbernehmen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Er enth\u00e4lt zehn Dynamiken und ihre Fr\u00fchsignale, konkrete Fragen zur Selbstreflexion, einen Prozessf\u00e4higkeits-Check, Arbeitsbl\u00e4tter f\u00fcr dein eigenes Fr\u00fchwarnsystem und praktische Formulierungen f\u00fcr Situationen, in denen du Klarheit brauchst.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Silvia, die den Field Guide gelesen hat, und bereits damit arbeitet, schrieb mir:<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eHier ist ein wertvolles Werkzeug f\u00fcr Menschen in F\u00fchrungspositionen entstanden, die bereits Erfahrung mit Gruppendynamiken haben. Es hilft, eigene Erkenntnisse und Prozesse besser einzuordnen und die eigene Handlungsf\u00e4higkeit zu bewahren oder zur\u00fcckzugewinnen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Genau das war meine Absicht. Ich wollte die Landkarte schreiben, die ich selbst gebraucht h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Damit Menschen, denen ihre Arbeit zutiefst am Herzen liegt, ihre Verantwortung \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, ohne die Verantwortung f\u00fcr alles zu tragen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/shop.alexandrasorgenicht.com\/field-guide\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>[FIELD GUIDE ENTDECKEN]<\/strong><\/a><\/h2>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">P.S. Parallel zum Field Guide schreibe ich an meinem neuen Buch. Darin verfolge ich die Fragen weiter, die mich seit Jahren besch\u00e4ftigen: Was bedeutet es, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten? Wie ver\u00e4ndern wir unser Verst\u00e4ndnis von F\u00fchrung? Und wie k\u00f6nnen wir Verantwortung \u00fcbernehmen, ohne uns selbst darin zu verlieren?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wenn du erfahren m\u00f6chtest, wann das Buch erscheint, und \u00fcber seine Entstehung auf dem Laufenden bleiben willst, kannst du dich auf die Warteliste setzen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><a href=\"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/warteliste-buch\/\" data-type=\"link\" data-id=\"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/warteliste-buch\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>[AUF DIE BUCH-WARTELISTE SETZEN]<\/strong><\/a><\/h2>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator has-alpha-channel-opacity\"\/>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><strong>Zum Weiterlesen | Quellen<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wolf, Abraham W.; Goldfried, Marvin R. &amp; Muran, J. Christopher (Hrsg.) (2013): Transforming Negative Reactions to Clients. American Psychological Association.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">M\u00f6ller, Heidi &amp; Zimmermann, Jannik (Hrsg.) (2020): Schwierige Situationen im Business-Coaching. Springer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Gra\u00dfmann, Carolin; Diller, Sandra Julia &amp; Jonas, Eva (2021): Welche Strategien nutzen Coaches bei herausfordernden Klienten? Coaching | Theorie &amp; Praxis, 7, 3\u201312. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1365\/s40896-020-00048-8\">https:\/\/doi.org\/10.1365\/s40896-020-00048-8<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Safran, Jeremy D. &amp; Muran, J. Christopher (2000): Negotiating the Therapeutic Alliance. Guilford Press.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Schleu, Andrea (2021): Umgang mit Grenzverletzungen. Springer.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00dcber die Menschlichkeit von F\u00fchrenden und das, was ich in 25 Jahren Arbeit mit Menschen lernen musste. | 3375 W\u00f6rter, ca. 14 Minuten Lesezeit.<\/p>","protected":false},"author":2,"featured_media":7918,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[28],"tags":[],"class_list":["post-7906","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-blog"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7906","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=7906"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7906\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7930,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/7906\/revisions\/7930"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/7918"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=7906"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=7906"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/alexandrasorgenicht.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=7906"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}